Dom
Wenn man einen Spaziergang durch die Altstadt von Portogruaro macht, zwischen Gassen und kleinen Plätzen, groβen Gebäuden mit herrschaftlichen Fassaden und wunderschönen Ecken mit Blick auf den Lemene, dann erwartet man im Herzen der Innenstadt eher eine Kirche aus dem Mittelalter im romanischen oder gotischen Stil, die an den Innenwänden zahlreiche Fresken aufweist. Aber wenn man schlieβlich über die Geschäftsstraβe, Corso Martiri della Libertà, den Sant’Andrea Dom erreicht, steht man vor einer beeindruckenden steinernen Fassade mit drei Portalen, die sich entlang der Haupteinkaufsstraβe erhöht, ohne jeglichen Domvorplatz vor dem Eingangsbereich. Beim Betreten des Doms beeindruckt einen vor allem die Gröβe und der monumentale Klassizismusstil in seinem Innern. Das Gebäude, das wir heute bewundern können, ist im Jahr 1833 geweiht worden, und hat die damalige Originalkirche ersetzt. Mit der päpstlichen Verordnung von 1586 ist der Bischofssitz (gegründet im IV Jh.) nach Portogruaro verlegt worden: folglich ist die alte Kirche, die dem heiligen Patron Andrea gewidmet war, zur Konkathedrale geworden, wo bischöfliche Zeremonien abgehalten wurden, und wurde zum Sitz von liturgischen Messen, die vom Diözesekapitel gefördert wurden, gleichzeitig jedoch blieb sie die Hauptkirche der Stadt. Alte Zeugnisse und ein paar Quellen helfen, um sich die Ursprungskirche besser vorstellen zu können: gotisches Gebäude mit drei Schiffen und bedeutungsvollen Fresken aus dem 15. Jh., die vom Maler Bartolomeo von Belluno realisiert worden waren, und neben dem Absis und dem Presbyterium die Geschichten die von Christus, dem heiligen Patron Andrea und vom heiligen Giovanni Battista erzählen. Die Ursprungskirche war auβerdem nach Osten orientiert und der Altar zum Sonnenaufgang ausgerichtet, der Eingang hingegen befand sich im Westen und somit direkt am Lemene. Gegen Ende des 18. Jh. ist dieses Gebäude abgerissen worden und an derselben Stelle ist diese monumentale Kirche im architektonischen Stil des Klassizismus, eingedenk des Renaissance und Palladianismus, errichtet worden. Die drei Portale der Fassade entsprechen den drei Schiffen, die den Innenraum mit seinen dominierenden hellen Farbtönen der Wände und der grauen Rahmen, der Verzierungen und der Kapitelle besonders hervorheben. An den Seitenwänden befinden sich verschiedene Marmoraltare, die zahlreiche Werke von venezianischen und venetischen Malern einrahmen, die chronologisch vom 16. Jh. bis zum 18. Jh. angeordnet sind. Zwischen diesen Werken befindet sich auch die bedeutungsvolle Leinwand des Hochaltars mit der Präsentation beim Tempel, die zu Beginn des 16. Jh. von Giovanni Martini realisiert worden ist, und das Altarbild von San Rocco (zweiter Altar des rechten Schiffs) ist der Schule von “Palma il Giovane” zuzuordnen und stammt aus der ersten Hälfte des XVI Jh.; äuβerst interessant ist der untere Teil der Leinwand, der ein antikes Bild der Stadt darstellt. Die Tafel am ersten Altar auf der rechten Seite, die die Ungläubigkeit des heiligen Thomas darstellt, bringt eine ganz besondere Geschichte mit sich. Beim Werk, das sich im Dom befindet, handelt es sich aber in Wirklichkeit um eine Nachbildung des lokalen Malers Eugenio Bonò gegen Ende des 19. Jh., denn das Originalgemälde ist von Giambattista Cima aus Conegliano realisiert worden. Dieser berühmte venetische Maler hat dieses Werk zu Beginn des 16. Jh. für die Brüderschaft “San Tommaso dei Battuti” realisiert, ein besonders einflussreicher und reicher Bund, der für viele Jahrhunderte die Krankenhäuser der Stadt verwaltete. Heute kann sich Portogruaro leider nicht mehr eines solchen bedeutungsvollen Werks rühmen, da das Originalgemälde im Jahr 1870 der National Gallery of London überlassen worden ist, und somit gibt sich die Stadt mit der im Dom aufbewahrten Nachbildung zufrieden.